Das bisschen Haushalt

 

In dieser Folge spreche über eines der häufigsten Streitthemen in Partnerschaften: die Hausarbeit oder die Organisation des Familienalltags.

Du erfährst:

  • warum dieses Streitthema ganz und gar nicht banal oder kindisch ist, sondern eure volle Aufmerksamkeit benötigt,
  • warum Vorwürfe euch keinen Deut weiterbringen und
  • was ihr bezüglich eures Familienmanagements alles verhandeln könnt.

Viel Spaß beim Zuhören.

Wenn Du Fragen oder Anmerkungen hast, schreib mir gerne an steffi@paarzeit.jetzt

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Das bisschen Haushalt

Haushalt ist ja in jeder Beziehung ein Thema – und wenn Kinder da sind, potenziert sich das ganze noch: es kommt mehr Arbeit dazu, mehr Wäsche, mehr Geschirr, mehr Unordnung, … – und gleichzeitig hat man weniger Zeit, die ganze Arbeit zu erledigen, weil man sich ja noch zusätzlich um die Kinder kümmert. 

Und was dieses Thema angeht, hat bestimmt jeder von euch seine eigenen Gedanken dazu: Vielleicht fühlst Du Dich von Deinem Partner oder Deiner Partnerin zu wenig unterstützt und hast das Gefühl, die Organisation des Familienalltags alleine zu schmeißen. Oder es nervt Dich, dass Du immer an alles denken musst: Von den Impfterminen der Kinder bis hin zu den Büchereiterminen im Kindergarten. Vielleicht arbeitest Du die ganze Woche ganztags im Büro und ärgerst Dich darüber, dass Dein Partner es in dieser Zeit nicht schafft, den Haushalt in Schuss zu halten. Oder ihr arbeitet beide außer Haus und eigentlich habt ihr abgemacht, die Familienarbeit gerecht aufzuteilen. Aber irgendwie hast Du das Gefühl, dass Du immer mehr machst.

Gemeinsam einen Haushalt zu managen ist ganz schön komplex

Erstmal gibt’s so viele Punkte, zu denen man unterschiedlicher Meinung sein kann: müssen jeden Morgen die Betten gemacht werden? Wann ist es Zeit, das Waschbecken zu putzen? Kann unsere Kleinste den Body nicht drei Tage lang anlassen?

Und es gibt soviel Aufgaben, die verteilt werden müssen: Wer hat die Arzttermine der Kinder im Blick? Wer bringt die Kinder ins Bett? Wer geht einkaufen? Wer kümmert sich um die Wochenendgestaltung? Wer um die Finanzen? Wer darum, dass die Autoreifen gewechselt werden?

Und dann seid ihr ja auch noch zwei Individuen, denen ganz unterschiedliche Werte und Gewohnheiten von zuhause mitgegeben wurden. Und sehr wahrscheinlich hat jeder von euch auch eine unterschiedliche Vorstellung von Ordnung und Sauberkeit. Oder der eine möchte bestimmte Tätigkeiten, wie zum Beispiel Küche aufräumen, schnell erledigt haben, während der andere nach dem Essen lieber noch ein bisschen gemütlich zusammensitzen möchte.

Es wird immer wieder zu Konflikten kommen – entscheidend ist, wie ihr damit umgeht

Das Thema Familienmanagement ist tatsächlich wahnsinnig komplex und läuft nicht nebenbei, sondern braucht eure Aufmerksamkeit –  auch wenn ihr euch in bestimmten Situationen vielleicht eher denkt „Das ist doch jetzt kein Stoff für ein Drama. Viel zu banal, dass wir uns darüber streiten”. Die Organisation eures Familienalltags erfordert, dass ihr euch hinsetzt und darüber diskutiert, wie ihr bestimmte Dinge regeln wollt, damit es für euch beide passt. Und zwar immer wieder. Denn ihr könnt davon ausgehen, dass ihr das auch regelmäßig anpassen müsst.

Und wenn ihr euch zusammensetzt, um miteinander zu sprechen, oder auch schon, wenn ihr euch mal wieder über das Chaos ärgert, vermeidet Vorwürfe und Beschimpfungen. Ich kenne das sehr gut: Wenn man sich nicht mehr wohl fühlt und das Gefühl hat, mehr zu machen als der andere, dann ist einer der ersten Impulse, seinen Frust darüber am anderen auszulassen – gerne noch schön verallgemeinernd: „Immer wenn Du kochst, sieht die Küche hinterher wie ein Schlachtfeld aus“ oder „Warum muss ich immer die Geschenke für die Kindergeburtstage besorgen?“

Vorwürfe haben aber meist zur Folge, dass unser Gegenüber sich angegriffen fühlt und dann eine von zwei Strategien wählt: sich zurückziehen oder zurückfeuern, was vermutlich dazu führt, dass ihr euch in einem Strudel aus gegenseitigen Vorwürfen wiederfindet. Vorwürfe führen also zu Reaktionen, die Dich keinen Deut weiterbringen.

Vorwürfe in Wünsche verwandeln

Eine ganz andere Dynamik können wir reinbringen, wenn wir stattdessen über uns sprechen. Und wenn wir uns bewusst machen, dass hinter jedem Vorwurf eigentlich ein Wunsch von uns steckt. 

Meistens machen wir nämlich Vorwürfe, statt über uns zu sprechen, denn es fällt uns gar nicht so leicht, eine Bitte oder einen Bedürfnis zu äußern. Wenn wir das tun, dann zeigen wir ja etwas von uns, und das machen wir gar nicht so gern. Oft sind wir uns auch gar nicht so richtig im Klaren darüber, was wir eigentlich wollen. Oder wir glauben, dass wir das nicht wollen dürfen: Vielleicht, ist es ja so, dass Dein Partner oder Deine Partnerin Vollzeit arbeitet, und du das Gefühl hast, im Gegenzug für das gesamte Familienmanagement zuständig zu sein.

Wenn Du Dich das nächste Mal über das Chaos zuhause ärgerst, frag Dich vielleicht erstmal: Was fühle ich jetzt gerade in dieser Situation? Wo fühle ich mich ungerecht behandelt? Warum? Also zum Beispiel: „Ich fühl mich einfach so nicht wohl, wenn ich morgens in eine unaufgeräumte Küche komme“ oder „Ich bin überfordert und habe das Gefühl, dass alles an mir hängen bleibt.“

Und dann kannst Du Dir überlegen, welche Unterstützung du Dir wünscht: „Ich fände es sehr entlastend, wenn Du Dir auch mal überlegst, was wir in der kommenden Woche kochen könnten.”

Wenn Du Dich so öffnest, dann gibst du dem anderen die Chance sich in dich einzufühlen. Er hat die Möglichkeit zu verstehen, was Dich stört und was Du brauchst. Und damit einen Weg zu suchen, wie er Dich unterstützen kann.

Wenn wir uns überlastet fühlen, übersehen wir schnell, was unsere Partner leistet

Wenn Du das Gefühl hast, alles losgeworden zu sein, was Dir diesbezüglich wichtig war, dann hör auch wirklich zu, was Dir Dein Partner zu sagen hat und wie seine Wahrnehmung dazu aussieht. Das kann manchmal einen ganz überraschenden Effekt haben, weil wir manchmal so darauf fokussiert sind, was wir alles leisten, dass wir einiges von dem übersehen, was unser Partner macht.

Wie oft ihr euch zusammensetzt, um die Organisation des Familienalltags für euch zu besprechen, findet ihr am Besten für euch raus. Vielleicht wollt ihr das regelmäßig alle zwei Monate machen, oder immer dann, wenn es sich für einen von euch nicht mehr gut anfühlt. Und dann können euch vielleicht folgende Fragen leiten:

  • Was bringt jeder von euch gerade ein?
  • Ist die Aufteilung für euch in Ordnung oder möchtet ihr etwas verändern?
  • Gibt es eine Aufgabe, die Du unbedingt loswerden möchtest? Dann könnt ihr vielleicht neu darüber verhandeln und stellt eventuell fest, dass es dem anderen gar nicht so viel ausmacht, das zu tun.
  • Wollt ihr vielleicht einzelne Aufgaben zur Probe mal tauschen? Es kann ganz interessant sein, selbst zu spüren, was der andere damit leistet.

Versucht euch in diesen Gesprächen als Team zu sehen, das regelmäßig eine Bestandsaufnahme macht: Was sind eure jeweiligen Stärken und Vorlieben? Wie sehen aktuell eure jeweiligen Zeitkapazitäten aus und wie kann sich jeder von euch gerade am Besten einbringen? Vielleicht ist der eine morgens schneller wach und kann sich um Pausenbrot und Frühstück kümmern, während der andere noch durch die Wohnung schlurft und erstmal einen Kaffee braucht. Dafür aber dann Abends noch die Energie hat die Spülmaschine einzuräumen und den Müll runterzubringen.

Fragt euch: Wie können wir für unsere Entlastung sorgen?
  • Wollt ihr Aufgaben vielleicht abgeben? Könnt ihr euch eine Unterstützung fürs Putzen holen? Oder könnt ihr euch mit befreundeten Eltern beim Abholen der Kinder abwechseln?
  • Überprüft eure Aufgaben: Ist es sinnvoll, dass ihr bestimmte Tätigkeiten in dem Ausmaß macht, wie ihr es bisher tut? Müssen wir alle zwei Monate die Fenster putzen? Ist es wirklich notwendig, dass wir jeden Morgen kleine Figuren aus dem Pausenbrot ausstechen oder die super-aufwändigen Cake-Pops für den Kindergeburtstag backen oder genießen wir diese Zeiten lieber mit den Kindern oder nehmen uns Zeit für uns und entspannen uns dabei.
  • Ermöglicht euch gegenseitig Auszeiten: Hat jeder von euch eine Möglichkeit, um sich zu regenerieren, um Kraft zu schöpfen, für all die Arbeit, die zu tun ist. Hat jeder von euch Zeiträume, die er alleine verbringen darf, mit etwas, das ihm wieder Energie gibt? 
Es geht nicht darum, alles fifty-fifty aufzuteilen

Ich denke, bei diesem Gesprächen geht es nicht darum, dass ihr alles fifty-fifty aufteilt. Der eigentliche Gewinn bei diesem Gespräch liegt darin, dass vom anderen wahrgenommen wird, was jeder von euch leistet und zur Organisation des Familienalltags beiträgt. Und dass es sich nach dem Gespräch für jeden von euch wieder gut anfühlt.

Auf dieser Grundlage könnt ihr die Arbeit des anderen vielleicht wieder bewusst wertschätzen und das auch offen aussprechen. Im Alltag läuft oft soviel nebenher und wir nehmen zu viele Dinge, die der andere leistet, schon als selbstverständlich wahr. Dabei weiß, glaube ich, jeder von uns, wie gut es sich anfühlt, wenn man für seine Arbeit ein Danke erhält.

Und wenn Du merkst, dass Dein Partner anfängt zu meckern, frustriert oder gestresst erscheint, kannst Du das vielleicht als Zeichen deuten, dass er oder sie Unterstützung braucht. Und dann bau’ ihm eine Brücke und frage, ob Du ihm vielleicht etwas abnehmen kannst. Und wenn Du Dich regelmäßig erkundigst, wie es dem anderen mit seinen Aufgaben geht, kannst du Frust vielleicht sogar vorbeugen. 

 

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